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Digitale Musikempfehlungen
So, nun will ich mich einmal einem ganz speziellem Thema widmen. Den digitalen DJs.
Angefangen hat mein Interesse dafür mit dem Audioscrobbler (hier klicken um zum dazugehörigen Thread zu gelangen)
Früher war der musikliebende Mensch auf Empfehlungen von Freunden, Plattenverkäufern oder einfach auf sein Glück angewiesen, wenn er, oder sie mal etwas neues kennenlernen wollte. Durch die Möglichkeit Musik über das Internet zu beziehen (I-Tunes und Konsorten) blieb die individuelle Beratung auf der Strecke und der Musikkauf wird in gewisser Weise zum Glücksspiel, auch wenn die Möglichkeit, Stücke probezuhören, einiges wieder wettmacht, was diese fehlende Beratung wünschen lässt.
Einige gewiffte Programmierer haben sich nun daran gemacht, einen vollautomatischen "Musikratgeber" zu entwickeln.
So wird zum Beispiel am Fraunhofer Institut für Digitale Medientheorie an einem Programm namens Soundslike gefeilt. Die Software zerteilt das Musikstück in seine kleinsten Bestandteile auf, sozusagen in seine Atome. Diese "Atome" werden von dem Programm genauestens unter die musikalische Lupe genommen. Erfasst wird unter anderem die Häufigkeit, mit der bestimmte Töne erklingen, der Verlauf der Lautstärke und der Frequenzgang. Auf diese Weise unterteilt das Programm die Musik in sechzehn Frequenzbänder. Im Anschluss wird berechnet, ob und wie regelmäßig der Klang in dieser Region gestaltet ist. Das Ergebnis dieser Berechnung wird spektrale Flachheit genannt. Das Stück ist in unterschiedliche Klangeinheiten unterteilt. Man erhält in gewisser Weise den Fingerabdruck des Lieds. Weiters kann das Programm zwischen Strophe und Refrain unterscheiden, den Rythmus erkennen und Takt- wie Tonarten ermittlen.
Ein weiteres Beispiel ist der Musikminer der an der Universität Marburg von Dr. Fabian Mörchen in Zusammenarbeit mit seinen Studenten entwickelt wird.
Die Musik wird hierbei nicht nur analysiert, sondern diese Analyse auch grafisch aufbereitet. Hierzu wir wiederum das Musikstück in seine Einzelteile zerlegt und aufs Genaueste untersucht.
Die Informatiker haben typische Stücke aus einer manigfaltigen Auswahl an Musikstücken zerlegt und untersucht in welchen der 66.000 Parametern (!) sich klangliche Unterschiede am deutlichsten wiederfinden lassen. Übrig blieben 20 Werte, die jeden Titel treffsicher charakterisieren. Nun muss man sich einen Raum mit 20 Dimensionen vorstellen. Je näher die Koordinaten beeinander liegen, desto ähnlicher sind sich Musikstücke.
Aufgrund der Tatsache, dass sich Menschen in einem 20-dimensionalem Raum eher schlecht orientieren können, wird die klangliche Lage der Lieder auf einer zweidimensionalen Landkarte grafisch dargestellt.
Vom Benutzer werden nur die Umrisse der Landkarte vorgegeben, den Rest stellt das Programm anhand hoher Berge und tiefer Seen dar, welche die Ähnlichkeit für den Benutzer erkenntlich machen. Tiefe Täler kennzeichnen die ähnlichen Stücke während hohe Berge stark unterschiedliche Lieder voneinander trennen. Die so erstelle Playlist wird also zu einer virtuellen Wanderung durch eine "Musiklandschaft". Man kann sich von einer einfachen Wanderung durch sanfte Täler über größere Hügel bis hin zu ausgewachsenen Bergtouren sehr viele Möglichkeiten aussuchen.
Hier die Oberfläche des Programms:
Weitere interessante Möglichkeiten:
Der oben bereits genannte Audioscrobbler liefert auf Wunsch Musikempfehlungen durch die Auswertung von Playlists diverser User. Hierbei werden sämtliche abgespielte Lieder an den Audioscrobbler gesendet und gespeichert. So entsteht ein Profil, aus dem die Hörgewohnheiten der einzelnen Benutzer erkenntlich wird. Im Anschluss sucht der Audioscrobbler nach anderen Benutzern, die einen ähnlichen Musikgeschmack haben. Mit diesen kann man dann via PN kommunizieren, oder auch einfach deren Musik-Profil betrachten.
Das Programm HiFind basiert auf individuellen Beurteilungen von Musikstücken durch Musiker, Komponisten und Musikwissenschafter. Über 300.000 Musikstücke wurden bewertet und liefern aufschlußreiche Ergebnisse bei der Suchanfrage. Meiner Meinung nach aber eher eines der schwächeren Tools.
Sehr empfehlenswert finde ich das Programm Musiclens. Hier ist es möglich, mit Reglern mittels Slider-Navigation das Suchergebnis an die persönlichen Musikwünsche anzupassen. Der besondere Vorteil ist, dass man sich ein richtig individuelles Geschmacksprofil zusammenstellen kann, ohne sich lange mit umständlichen Kategorisierungen herumzuschlagen. Hörproben sind dann sozusagen das Tüpfelchen auf dem i Mein Tipp: Einfach ansehen und damit herumprobieren. Wirklich Empfehlenswert!
Auf den Verkaufszahlen von Amazon basiert Liveplasma. Gibt man eine Band oder einen Künstler in das Suchfeld ein, dann überprüft das Programm die bisherigen Käufer von dieser Band bzw. dem Künstler und zeigt die anderen Käufe der Kunden in Form eines Clusters an. Die Navigation ist intuitiv und leicht zu erlernen. Ein Vorteil dieses Programms liegt darin, dass in einem kleinen Seitenfenster sofort Links zu den CDs ähnlicher Interpreten erscheinen. Man kann sich also die Suche bei Amazon ersparen.
Ähnlich wie Liveplasma funktioniert auch Music-Map. Der Unterschied zu Liveplasma ist, dass auch andere Vertreiber außer Amazon angezeigt werden. Das ganze Programm beruht auch hier auf den Vorlieben anderer User, deren Vorlieben anhand von Gnod, im Falle von Musik von Gnoosic analysiert werden. Der Vorteil dieses Programms ist, dass es nicht nur auf Verkaufszahlen, sondern auch auf den ganz persönlichen Einflüsse und Hörgewohnheiten der User basiert.
Meine Recherchen haben mich nun zu einer weiteren wundervollen Webseite geführt, die ich natürlich niemandem vorenthalten möchte. Die Rede ist hier von Pandora. Die Ansage verspricht viel. Pandora gibt an, dass dem User nur Lieder vorgespielt werden, die ihm auch wirklich gefallen.
Zu Beginn muss der User natürlich einen Interpreten, oder aber auch einen Song angeben, woraufhin das Programm die Songs des Interpreten mit über 10000 Künstlern und deren Songs der Datenbank vergleicht. Dies geschieht aber nicht anhand subjektiver Bewertungen, sondern durch 400 Merkmale, die jedem Song zugeordnet wurden. Die ausgewählten Songs werden nun auf dem integrierten Online-Radio abgespielt. Wenn ein Lied mal nicht so gefallen will, löscht man es einfach aus der Playlist. Und das intelligente Programm merkt sich die Auswahl und verfeinert die Musikauswahl! Nach zehn Minuten werden dann fast ohne Ausnahme nur noch Songs gespielt, die einem gefallen.
Fazit ist, dass dieses Programm definitiv eines der besten ist, seit ich mich mit dem Thema beschäftige. Unbedingt ausprobieren, solange Online-Radios noch legal sind, dass darf kein interessierter Musikfan verpasst haben. Garantiert
PS: Das Programm ist leider nur die ersten zehn Stunden gratis, kostet dann aber auch nur 36$ im Jahr wahlweise kann man sich auch einfach nur registrieren, angeblich kommt dann aber ein bisschen Werbung, für die Arbeit am PC ohne selbsterstellte Playlists ist der Preis aber auch durchaus verkraftbar.
Wenn ihr Fragen oder Anregungen habt, schreibt diese einfach hier rein.
__________________ "Das größte Verbrechen eines Musikers ist es, Noten zu spielen, statt Musik zu machen."
Isaac Stern
Dieser Beitrag wurde 5 mal editiert, zum letzten Mal von Mr. Sniffles: 23.11.2005 10:53.
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hallo Mr. Sniffles, vielen dank für diese zusammenfassung. echt geil. ich bin echt begeistert was es alles gibt. da hab ich in den kommenden tagen was zum spielen.
aber es ist echt auch interessant, an welchen sachen geforscht wird.
nachteil ist: die musikindustrie findet solche ,,programme'' bestimmt auch interessant und kann sie für ihre ,,superstar- klone'' natürlich auch gut gebrauchen. den ein lied das sich schon einmal gut verkauft hat, wirds auch wieder tun- wenn man an den entsprechenden parametern dreht.
obwohl....... viele sog. musiker brauchen dazu noch nicht mal ein proggi. die klonen ihre musik immer wieder selber .
für mich als user isses aber echt ne feine sache.danke nochmal.
__________________ Für ein gutes Gespräch sind die Pausen genauso wichtig wie die Worte.
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Hallo Mr. Sniffles Gigantischer Beitrag und hochgradig interessant !
Komme bei den vielen Links hier im Forum mit dem "Hinterherklicken" gar nicht mehr nach..........
Danke und Gruß, BOo°m
Nachtrag:
Habe mir gerade mal Pandora näher angeschaut, leider kann man das nicht "mal eben" testen, sondern muß gleich "subscriben" wenn ich das richtig verstanden habe.
Mit solchen Sachen habe ich schlechte Erfahrungen gemacht, davon mal abgesehen das ich nicht im besitz einer Kredikarte bin und auch nicht sein will.
Gerade diesen Monat hat Web.de mir 60 Oironen abgezockt und auch das fing mal mit 'nem Testangebot von 1'nem Oiro für drei Monate an.
Die 30 Oironen die zwischendurch mal abgebucht wurden sind mir gar nicht aufgefallen aber 60 finde ich persönlich jetzt echt fett.
Muß das unbedingt noch kündigen da mir 60 Steine im Jahr nur für'n Emailpostfach, für mehr nutze ich das eh nicht und das gibts auch für nix dort, definitiv zuviel sind.
Aber..... vom Prinzip her hört sich Pandora sehr vielversprechend an ! Ohne Frage.
Nachtrag zum Nachtrag:
..... versagt aber zB. bei Rheingold - Dreiklangdimensionen.... einem der absoluten Song-Giganten der letzten 20 Jahre ! *hehe*
Muss BOo°mchen also doch noch gute alte "Handarbeit" leisten......
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Dieser Beitrag wurde 3 mal editiert, zum letzten Mal von BOo°m: 08.11.2005 02:54.