DerMitDemHut
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Für Leute, die Yes (abgesehen vom Hit "Owner Of A Lonely Heart") nicht kennen, lässt sich der Stil dieser Band in den frühen 70ern wie folgt beschreiben: The Beatles meets Igor Strawinski (russischer Komponist, der nach Amerika konvertierte), mit einer Messerspitze Pink Floyd, einem kleinen Schuss Deep Purple und einer Prise Emerson, Lake & Palmer.
Mít FRAGILE schafften die Revoluzzer des progressiven Rocks den Durchbruch und legten einen Meilenstein in der Musikgeschichte nieder. Im Gegensatz zu allen späteren Werken der Band, allen voran natürlich Close To The Edge ( http://www.musik4fun.com/thread.php?threadid=11048, )bedienten sich Yes noch allen Klischees, die für diese Musikrichtung galten: sehr klassisch inspirierte Melodien und Songstrukturen und lange und üppige Solopassagen für jedes gespielte Instrument. Bei den Solopassagen offenbahrt jedes Mitglied der Band seine Virtuosität, allerdings auch oft am Rande der Selbstinszenierung. Daher wurde die Band von Laien oft als kitschig verkannt.
Wenn man zunächst die Solostücke betrachtet, von denen jedes Bandmitglied je eines komponierte, um sein jeweiliges Instrument in den Mittelpunkt zu stellen, sieht man sich trotzdem mit eigenständigen Kompostionen konfrontiert, die alle gleichermassen ihre Berechtigung auf dem Album haben, mit Ausnahme des völlig überflüssigen FIVE PERCENT FOR NOTHING, welches absolut nichts aussagt und nur ein Füller ist, bei welchem sinnlos eine halbe Minute herumgefrickelt wird.
Anders sieht es schon bei THE FISH oder der Klassikadaption CANS AND BRAHMS aus. Bei ersterem steht Chris Squires Bassgitarre im Vordergrund, die Melodie, die Sänger Jon Anderson am Ende des Stücks vorträgt, meine ich schon einmal in einer Strawinski-Komposition gehört zu haben. Mit Fug und Recht kann man behaupten, dass Chris Squire der Jimi Hendrix der Bassgitarre ist. Live auf dem Livealbum "Yessongs" kommt dieses Stück aber besser zur Geltung und Chris Squire hat mehr Raum zum solieren am Bass. CANS AND BRAHMS konzentriert sich auf die Keybords von Rick Wakeman, hauptsächlich Piano, Hammondorgel und elektrisches Cembalo. Auch das akustische Instrumentalstück MOOD FOR A DAY sollte angesichts der unglaublichen Fingerfertigkeit des Gitarristen Steve Howe nicht übersehen werden.
Den langen Bandkompositionen aber sollte man seine zentrale Aufmerksamkeit widmen, als da wären:
Das vom Bass dominierte, rasante, dann aber sphärisch-treibende und psychedelisch-hypnotisierende HEART OF THE SUNRISE, in welchem ebenfalls eine gehörige Portion Klassik steckt und wirklich jedes Bandmitglied mal am Zug ist, ohne mit den Soli zu übertreiben. Besonders Rick Wakeman besticht hier durch seine unglaubliche Virtuosität, die von seiner klassischen Ausbildung am Londoner Konservatorium herrührt.
Des Weiteren wäre da SOUTH SIDE OF THE SKY mit seinem düsterem, atmosphärischen Intro, bei welchem eiskalter Wind aus den Boxen weht, bevor es zu einem groovenden Riffmonster wird, bei welchem sich Squire betont zurückhält und hier mehr die elektrische Gitarre dominiert, ehe es nach zwei Minuten zum Höhepunkt kulminiert, wenn alle Instrumente bis auf das Klavier ausklingen und Mr.Wakeman das volle Register seines Könnens zeigt, ehe dann die übrigen Bandmitglieder zum Backgroundchor einstimmen um die malerisch traumhaften, beinahe übernatürlich schönen Klavierpassagen zu begleiten. Mr. Wakeman macht seine Arbeit so gut, dass amn meinen könnte, die Klavier- und Orgelpassagen seien von J.S.Bach oder Sibelius persönlich eingespielt worden.
Absolut unvergesslich ist auch die stimmige, ebenfalls mit klassischen Elementen vollgeladene
Komposition ROUNDABOUT, mit ihrem akustischen Intro und den Hammondorgel-Soli, wobei die aussergewöhnlichen Bassläufe ein brodelndes rhythmisches Fundament bilden. Sowohl das flexible, frische Schlagzeugspiel Bill Brufords, als auch das jenseits aller musikalischen Konventionen praktizierte Bassspiel Squires sind zum Niederknien. Über Jon Andersons überragende Gesangsleistung brauche ich keine Worte zu verlieren, ebensowenig wie zum Gitarrenspiel Howes. Ein weiterer Bonuspunkt dieses tollen Albums ist der Bonustrack AMERIKA, wo so gegensätzliche Stile wie Klassik und Country verwoben werden und man nicht erkennt, dass Yes diesen Song von Simon & Garfunkel gestohlen haben. Wahrscheinlich die eigenwilligste und originellste COverversion, die es gibt.
FRAGILE ist absolut anbetungswürdig. Die kunstvolle Aufmachung der Digipack-CD setzt dem ganzen die absolute Krone auf, ebenso, wie der absolut vollkommen und wohl ausbalanciert abgemischte Sound. Bei MOOD FOR A DAY kann man sogar hören, wie die Ärmel von Steve Howe sich am Korpus seiner akustischen Gitarre reiben, wärend seine Finger über die Saiten flitzen. Eine so glasklare und ausgewogene Produktion habe ich bisher noch nie erlebt.
Fantastisch
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Dieser Beitrag wurde 3 mal editiert, zum letzten Mal von DerMitDemHut: 12.05.2008 00:37.
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