Nachdem Gesangsgott Ronnie James Dio nach der erfolgreichen und bombastischen Mob Rules World Tour Black Sabbath 1982 verlassen musste, weil es Unstimmigkeiten beim Abmischen des Live Albums "Live Evil" (ebenfalls 1983 erschienen) gegeben hatte, holten sich Black Sabbath den ehemaligen Deep Purple Sänger Ian Gillan an Bord. Viele Fans und Kritiker befürchteten ein schlechtes Album, ein Zugeständnis an die Plattenfirmen, aufgenommen aus Geldgier (Ian Gillan war pleite, sonst wäre er nie bei Black Sabbath eingestiegen). Die Kritiker fühlten sich seinerzeit bestätigt und Born Again gilt heute leider Gottes als DAS SCHLECHTESTE Black Sabbath Album. Die Alben danach waren ja eher Tony Iommi Solo-Alben mit Black Sabbath als Alibi-Namen, um mehr Platten verkaufen zu können, als es mit dem Namen Iommi alleine möglich gewesen wäre, was sie musikalische Qualität dieser Alben ("Seventh Star" mit Glenn Hughes, "Eternal Idol", "Headless Cross" und "Tyr" mit Tony Martin) soll deswegen aber nicht in Abrede gestellt werden! Born Again ist auch das letzte Black Sabbath Album, auf welchem Gitarrist Tony Iommi, Bassist Geezer Butler und Drummer Bill Ward noch einmal gemeinsam im Studio zusammenarbeiteten, ehe das Karussel der Bassisten, Drummer und Sänger sich ab 1986 (eben mit "Seventh Star") zu drehen begann.
Ich finde, dass dieses Album eine einmalige Momentaufnahme ist, zu Unrecht völlig unterbewertet und verrissen. Musikalisch klingen Black Sabbath hier alles andere als wie eine Deep Purple Kopie, wie Ozzy Osbourne damals ironisch diese Elefantenhochzeit kommentierte. Das Album Born Again ist das bis dato härteste, düsterste und auch experimentellste Black Sabbath Album, instrumental knüpft es an Mob Rules, aber auch an das Frühwerk aus der Ozzy Phase der Band, Master Of Reality von 1971 an. Hier wabern zähflüssige Doom Riffs wie Lava aus den Boxen, vor allem beim bombastischen Zero The Hero.
Der Opener "Trashed" steht in bester Neon Knights / Turn Up The Night Tradition: Kompromisslos hart und für gewöhnlich als Opener immer der schnellste Song eines Black Sabbath Albums. Ein wahnwitziges Gitarrensolo, wirklich toller Gesang Ian Gillans, fette Powerchord-Riffs, bombastisches Drumming, melodiös, düster und eingängig.
Das Instrumental "Stonehenge" ist rein durch das Keyboard Geoff Nichols dominiert, sehr atmosphärisch und getragen, aber nicht so abgefahren und finster wie das doomige "E 5150" von Vorgängeralbum "Mob Rules". Leider etwas zu kurz.
"Disturbing The Priest" ist wirklich der düsterste Song des Albums und auch der finsterste in der Bandgeschichte. Hytserisches Gelächter Ian Gillans, ein fiese Gitarrenmelodie wie ein Widerhaken, ein stampfender Rhythmus, sehr atmosphärisch und geheimnisvoll in der etwas ruhigeren Songmitte. Dennoch trotz der vielen Tempiwechsel sehr eingängig!
"The Dark": Bass Geblubber Geezer Butlers, sehr merkwürdig, aber als Intro zum nachfolgenden Song unerlässlich:
"Zero The Hero": Dooo(((O.O)))ooom! Lava! Ein geniales Gitarrenriff Tony Iommies, bizarre Soundeffekte durch Geezer Butlers Bass, ein in den Strophen rappender Ian Gillan und ein sehr hymnischer Refrain, ein aberwitziges Gitarrensolo und ein schleppender, zähflüssig getragener Rhythmus. Ein Höhepunkt des Albums!
"Digital Bitch"... Dieser Song klingt etwas zu fröhlich und fällt aus dem Gesamtkontext des Albums etwas heraus, erinnert in der Tat etwas mehr an Deep Purple als an Black Sabbath.
Der Titelsong dann ist wieder düsterer und langsamer, eine Ballade. Sehr psychedelisch. Hat Remineszenzen von "Spirit Caravan" aus dem Ozzy Ära Album "Paranoid". Ein trauriges Lied, sehr gefühlvoll, Ian Gillan singt im Refrain im höchsten Falsett seit Deep Purples Child In Time, in den Strophen eher dann ruhiger und gefühlvoller. Dazu leichte Tribal Drums kurz vor dem Solo Iommies. Ein super Song!
"Hot Line"... Ähem, wie dreist hat Iommi von Smoke On The Water das Riff gestohlen? Ein zu poppiger Song, mehr als eingängig, aber eben zu "purple'esque" und kaum zu Black Sabbath passend
"Keep It Warm"... Nunja, ähnlich belanglos wie Hot Line, nur etwas langsamer und behäbiger. Aber ebenfalls ZU fröhlich und kaum in das Gesamtkontext des Albums passend. Eher ein Ian Gillan Solosong.
Laut den Credits zeichnet Tony Iommi nicht nur für die Gitarre, sondern auch für "Flute" also Querflöte verantwortlich, nur kann ich nicht erkennen, in welchem Song.
Die Produktion, also der Sound des Albums wird zu häufig bemängelt. Es fehlt das grobe, spritzig freche und Dröge von Mob Rules. Man sagt hier auch "matschig" zu. Ich finde, es passt aber zu den Songs. Es klingt bombastisch, aber auch eben ÜBERPRODUZIERT.
Das Cover des Albums: Genial! Ian Gillan hasste es seinerzeit, ebenso wie den Sound des Albums. Warum? Das Cover drückt Black Sabbath eloquenter aus, als alle anderen Albencover jemals zuvor. Düster, gemein, fies!
In der Tat ein alles andere als leichtverdauliches Album. Aber KEIN Flopp, sondern ein Geheimtipp, eine unentdeckte Perle im Fundus der Band. Für mich neben den von Dio gesungenen Alben Heaven And Hell, Mob Rules und dem Ozzy-Frühwerk "Master Of Reality" das BESTE Black Sabbath Album und auch das letzte Black Sabbath Album, was den Bandnamen wirklich noch zurecht trägt, ehe es zum Sänger/Bassist/Drummer - Wechsel Dich - Spielchen Iommies gekommen ist.
Cheers!
Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »DerMitDemHut« (2. April 2008, 22:44)