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Der Titel macht ja schon ein wenig Angst. Denn wer Annie Lennox kennt, würde der Schottin gar nicht zutrauen, dass sie auch nur ansatzweise vernichtend wirken könnte, wie es der Name des Albums vermuten lässt. Und in der Tat ist der Titel eher im übertragenen Sinne zu verstehen, denn Annie Lennox singt sich – bis auf einige Aussetzer – wieder direkt ins Herz der Hörers.
Als Solokünstlerin ist Annie Lennox schon seit Anfang der 90er Jahre unterwegs und konnte über die Jahre etwa mit „Diva“, „Medusa“ oder „Bare“ einige große Erfolge verbuchen. Den Grundstein dafür hat sie allerdings mit der in der 80ern unglaublich erfolgreichen Kombo Eurythmics gelegt. Das Duo um die Sängerin und Dave Stewart, der sich heute ebenfalls noch als Produzent diverser Bands hervortut, hat seit 1981 durch Songs wie „Sweet dreams (are made of this)“ oder „There must be an angel“ weltweit über 80 Millionen Platten verkauft.
Etwas Besonderes sind stets die gefühlvollen Pop-Balladen, die Lennox mit ihrer unverwechselbaren, leicht rauen Stimme, vorzutragen weiß. Wer noch „Why“ oder „No more I love you’s“ kennt, weiß wovon hier die Rede ist (und aus hier nicht näher zu erläuternden Gründen hat der Autor sehr angenehme Erinnerungen an „Why“).
Auch auf „Songs of Mass Destruction“ befinden sich derartige Songs, die sofort mitten ins Herz treffen und mit ihren gefühlvollen Arrangements, begleitet von Lennox’ Geschichten, den Blick unweigerlich aus dem Fenster in die Ferne schweifen lassen. So etwa der Opener „Dark Road“, der gleichzeitig die erste Singleauskopplung des Albums ist. Oder auch „Through the glass darkly“, das während Vers und Bridges die Melodie nicht auflösen mag, bis die Spannung im Refrain doch noch aufgelöst wird.
Dem geneigten Hörer wird auffallen, dass die Highlights fast durchweg solch langsame Nummern sind. Einziger Höhepunkt aus den „schnelleren“ Titeln ist „Coloured bedspread“, das sich geradezu anbietet für einen Club-Remix und spätestens dann mit seinem Space-Sound überzeugt, wenn Lennox singt
/We make the stars collide/I touch the planets/through your eyes
Mag kitschig klingen, kommt aber richtig gut rüber. Und wie kommt man auf einen solchen Albumtitel?
„Wenn ich mich umschaue, dann sehe eine Welt, in der Wahnsinn herrscht, eine Welt voller Gewalt und Aggression, Misskommunikation und Grausamkeit“, erklärt sie. „Als Frau und Mutter ist es eine erschütternde Aussicht, damit klar kommen zu müssen. Und dann gibt diese ganzen Dinge in mir, in allen von uns: Unerwiderte Liebe, der Mangel an Frieden, das Chaos von Gedanken und Erinnerungen. Diese Songs sind meine Methode, diese Gefühle zu kanalisieren und den Schmerz loszuwerden. Ich möchte, dass die Menschen sich davon angesprochen fühlen. Ich möchte, dass sie spüren: ‚Oh mein Gott, sie singt über MEIN Leben’. Mein Blut und meine Knochen stecken in dieser Musik. Ich habe absolut alles gegeben, was ich zu bieten habe.“
Alles in allem also Lennox pur – produziert von niemand Geringerem als Glen Ballard (Alanis Morissette, Van Halen, No Doubt, …) bietete „Songs of Mass Destruction“ genug Titel, um von Fans angebetet zu werden und neue Ohren zu überzeugen. Wären da nicht einige absolut nicht nachvollziehbaren Aussetzer wie „Love is blind“ oder „Ghosts in my machine“, die eher an Polka und Billig-Pop erinnern, könnte das Album gar noch ein halbes Sternchen mehr abgreifen.
Aber auch mit diesen Titeln auf der LP sollte man als Liebhaber zauberhafter Pop-Balladen mal reinhören.
Kleines Detail-Highlight noch am Rande. Auf „Sing“ sind neben Lennox noch einige der bekanntesten Sängerinnen der Welt zu hören: Madonna, Melissa Etheridge, Celine Dion, Sugababes, Dido, Anastacia, Gladys Knight, K. D. Lang, P!nk, Angelique Kidjo, Bonnie Raitt, Shakira, Sarah McLachlan, Fergie, Beverly Knight, Faith Hill, Martha Wainwright, Joss Stone, KT Tunstall, Shingai Shoniwa, Beth Gibbons, Isobel Campbell und Beth Orton. Wir hätten wahrlich nicht alle rausgehört…
Bewertung:3,5/5
Highlights: Dark Road, Smithereens, Throuh the glass darkly, Lost, Coloured bedspread
Lowlights: Love is blind, Ghosts in my machine, Womankind
Weiteres Material:
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Tracklist:
1. Dark Road
2. Love Is Blind
3. Smithereens
4. Ghosts In My Machine
5. Womankind
6. Through The Glass Darkly
7. Lost
8. Coloured Bedspread
9. Sing
10. Big Sky
11. Fingernail Moon
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