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Zum Ende der Seite springen Yes: "Relayer" 1974
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DerMitDemHut DerMitDemHut ist männlich
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Yes: "Relayer" 1974 Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Wie gut, dass dieses Ausnahmewerk des 70er ProgRocks nun auch remastered vorliegt! Der Klang ist sehr viel ausgewogener und feiner nuanciert als auf der ursprünglichen CD Version, so trägt man der unglaublichen Komplexität eines Stückes Rechnung, welches alles an musikalischen Ergüssen verarbeitet, die einem menschlichen Hirn entspringen können, nähmlich das zerfahrene, weit ausladende und am Rande der Selbstinszenierung üppig inszenierte GATES OF DELIRIUM.

Die konkrete Struktur dieses über 21 Minuten dauernden Opus lässt sich nur sehr schwer in passende und dem Inhalt angemessene Worte fassen. Am ehesten lässt sich der Aufbau als amorph und formlos bezeichnen, losgelößt von jedweder musikalischer Struktur und Form, anfangs eher fröhlich vor sich her frickelnd, dann in einem musikalischem Rundumschlag ausartend, wie er ausgeflippter und freakiger nicht sein könnte. Anfangs noch melodisch und idyllisch, dann aggressiv und durchgeknallt. Die ansonsten eher engelsgleiche Stimme des Sängers Jon Anderson klingt teilweise schon bissig und aggressiv.

Absolut dominant im Sounddschungel sind die verschiedenen, teils klassisch inspirierten, dennoch unabhängig voneinander gespielten Gitarrenmelodien Steve Howes, der mit seiner jenseits aller musikalischer Konventionen liegenden Art zu spielen die Lücke im Sound zu füllen vermag, die der Weggang des klassisch trainierten und sehr talentierten Rick Wakeman hinterlässt, was den schweizer Ersatzkeyborder Patrik Moraz allerdings nicht in Abrede stellen soll. Auf Klavier und Hammondorgel, die Instrumente, an denen sich Wakeman am liebsten und auch am besten austobte, wurde verzichtet, dafür greift der nicht minder talentierte Moraz verstärkt zu Synthesisern und Mellotron, welche die Gitarren- und auch Basswände zu durchdringen versuchen, leider aber im Hintergrund bleiben. Die Basslinien des Herrn Squire sind auch eher betont introvertiert und nicht so ausgefallen wie zuvor auf CLOSE TO THE EDGE oder FRAGILE. Die an Bombast nicht zu toppende musikalische Zerstörungsorgie dauert etwa vierzehn Minuten an, davon etwa über die Hälfte in Solopassagen ausufernd, ehe sie sanft ausklingt, und ähnlich wie bei CLOSE TO THE EDGE von Keybord- und Mellotron-Teppichen dominiert wird, und eine wundervolle Melodie den Hörer wieder beruhigt.

Zu SOUND CHASER lässt sich kaum etwas anderes sagen, ausser das hier der Name Programm ist; Ein Ton jagt den nächsten, das Gitarrensolo in der Mitte des Songs toppt alles an Virtuosität und Epik, allerdings ist SOUND CHASER etwas stringenter.... und noch rasanter als GATES OF...; übertrifft sogar seine Agressivität, das futuristische Keybordsolo kurz vor Schluss und die zerfahrenen, freejazzigen Rhythmen machen auch dieses Stück zu einem echten Highlight. Der Mittelteil zeigt dann Steve Howe an seiner Gitarre im alleinigem Spotlight, sein Können ist hier atemberaubend. Flankiert von ganz dezentem Bass-Geblubber, bombastischen Paukenschlägen und leichten Keyboardnuancen rasen Howes' Finger über sein Griffbrett.

Das abschliessende TO BE OVER steht im krassen Gegensatz zum kakophonischen Rest des Albums und scheint den verängstigten, verwirrten, atemlos zurückgebliebenen und schockierten Hörer trösten zu wollen. Mir ist kein Album bekannt, welches einen derartigen Grad an Komplexität an den Tag legt. Die Remastering-Kur macht den Sound durchsichtiger und klarer, das Coverartwork und die informativen Linernotes im Booklet rechtfertigen ohne Weiters einen Kauf dieses Sci-Fi-Epos für die Ohren, auch für diejenigen, die das Album bereits haben lohnt es sich, da sich noch weitere klangliche Nuancen und Feinheiten im zerklüfteten Sound versteckt hielten, die es jetzt mit guten Kopfhörern zu entdecken gilt. ABSOLUT EMPFEHLENSWERT FÜR MUSIKALISCH WAGEMUTIGE!

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